Ich wohne seit gut fünfzehn Jahren in Baden. Als ich aus Winterthur hierher gezogen bin, kannte ich genau zwei Menschen: meine damalige Schwiegermutter und den Mann am Kiosk beim Bahnhof. Die eine ist inzwischen nicht mehr meine Schwiegermutter, der andere hat den Kiosk abgegeben. Dazwischen habe ich ziemlich viel über diese Stadt gelernt, vor allem darüber, wie man hier abends rauskommt und mit Leuten ins Gespräch kommt, ohne sich dabei komisch zu fühlen.
Dieses Notizbuch ist mein Versuch, das aufzuschreiben. Nicht als Reiseführer, davon gibt es genug. Eher als die Liste, die ich mir selbst gewünscht hätte, als ich mit einem Kleinkind, einem halb ausgepackten Umzugskarton und null Plan an der Limmat stand.

Viele Leute aus Zürich kennen Baden nur vom Durchfahren. Zwanzig Minuten mit dem Zug, ein Blick auf den Stadtturm, und schon ist man wieder weg. Schade eigentlich. Für eine Stadt mit rund 24’000 Einwohnern passiert hier erstaunlich viel, und das meiste davon liegt so nah beieinander, dass man zu Fuss von der Altstadt ins Nordportal, ins Kino oder an die Limmat kommt.
Was mir an Baden gefällt: Man trifft sich zweimal. Wer am Freitag im Konzert neben dir stand, steht am Samstag vor dir in der Schlange beim Wochenmarkt. Das kann nerven, wenn man gerade ungeschminkt Rüebli kauft. Es ist aber auch der Grund, warum man hier schneller Anschluss findet als in einer grossen Stadt. Anonymität gibt es in Baden nur, wenn man sich sehr viel Mühe gibt.
Und dann ist da die Lage. Baden hat die Altstadt mit ihren engen Gassen, das Bäderquartier unten am Fluss, das alte Industriegebiet im Norden, wo heute Konzerte und Kongresse stattfinden. Drei ganz verschiedene Stimmungen auf einem Spaziergang von einer Viertelstunde.
Das Jahr in Baden hat einen ziemlich klaren Rhythmus, und wer neu ist, sollte ihn kennen. Im Winter kommt die Fasnacht, laut und bunt und mit mehr Konfetti, als man in einer Woche aus den Haaren bekommt. Im Frühling folgt das Bluesfestival, im Sommer gibt es je nach Jahr das Figura Theaterfestival, dann die Bundesfeier am 1. August, und Anfang September kommt Fantoche mit den Animationsfilmen. Ab Ende Oktober leuchtet dann der Weihnachtsmarkt auf dem Theaterplatz.
Die ausführliche Liste mit ungefähren Daten habe ich auf der Seite über die Feste in Baden zusammengestellt. Dort steht auch, für wen sich welches Fest lohnt, denn nicht jedes ist für jeden. Fantoche mit einem quengelnden Zehnjährigen? Kann man machen. Würde ich aber nur einmal machen.
Und dann gibt es die Badenfahrt, das grosse Volksfest, das nur etwa alle zehn Jahre stattfindet und die ganze Stadt für ein paar Tage umkrempelt. Ich war bei mehreren dabei und habe meine Erinnerungen in einem eigenen Rückblick auf die Badenfahrt aufgeschrieben. Kurz gesagt: Wer in Baden wohnt und die Badenfahrt verpasst, hat etwas verpasst. Punkt.
Ich bin keine Stadionmenschen. Mir sind kleine Räume lieber, in denen man den Schweiss des Bassisten fast riecht und hinterher noch mit der Sängerin an der Bar steht. Davon hat Baden einige. Das Nordportal ist die grössere Halle für Bands, die schon einen Namen haben. Im Royal an der Bahnhofstrasse, einem ehemaligen Kino, wird es intimer, und das Kurtheater ist das grösste Theater im Kanton. Montags gibt es im Isebähnli Jazz, und zwar so zuverlässig, dass ich meinen Wochenplan danach ausrichte.
Wie man da alleine hingeht, ohne sich wie ein Mauerblümchen zu fühlen, steht auf meiner Seite über Konzerte in Baden. Spoiler: Es hilft, früh zu kommen.
Nach meiner Scheidung habe ich gemerkt, dass mein ganzer Freundeskreis eigentlich ein Paarfreundeskreis war. Plötzlich war ich die Person, die man zum Znacht einlädt und dann nicht weiss, wo man sie hinsetzen soll. Also musste ich mir einen neuen Kreis bauen, und zwar mit Anfang dreissig, mit Kind, mit Teilzeitstelle in der Buchhandlung und mit wenig Lust auf Speed Dating.
Was am besten funktioniert hat, war nicht das, was ich erwartet hatte. Nicht die Bars. Nicht die Apps. Sondern eine Saison hinter dem Tresen einer Festbeiz, mit einem Verein, den ich vorher kaum kannte. Darüber habe ich einen eigenen Text geschrieben: in einer Festbeiz mithelfen. Ich behaupte heute noch, dass man nirgends so schnell Freunde findet wie beim gemeinsamen Abwaschen um zwei Uhr morgens.
Wer lieber kleiner anfangen will, findet auf der Seite über das Leute kennenlernen in Baden meine Liste mit Vereinen, Kursen, Lauftreffs und Lesungen. Und wer schon jemanden kennengelernt hat und nicht weiss, wohin mit dem ersten Treffen: Für die Ideen zu zweit habe ich auch etwas notiert.
Hier findest du meine Sicht. Ich bin keine Journalistin und keine Veranstalterin. Ich habe mit keinem der Feste etwas zu tun, über die ich schreibe, ausser dass ich dort mein Bier bezahle. Wenn ich ein Datum nicht sicher weiss, schreibe ich lieber “meistens im Sommer” als etwas Falsches. Die Programme ändern sich, Lokale schliessen, neue machen auf. Für verbindliche Infos schau also immer auf die offiziellen Seiten der Veranstalter.
Was du hier nicht findest: Rankings, Sternchen, gekaufte Empfehlungen. Ich verkaufe nichts. Wenn mir ein Abend nicht gefallen hat, steht das so da. Manchmal etwas deutlicher, als es höflich wäre, das ist halt mein Winterthurer Anteil.
Falls du nur fünf Minuten hast: Lies zuerst die Seite über die Feste, dann die über die Konzerte. Falls du neu in Baden bist und dich ein bisschen einsam fühlst (das ist keine Schande, das ging mir genau so), dann fang mit der Festbeiz an. Und wenn du am Wochenende aus Zürich oder Aarau kommst, lies vorher kurz, wie du nachts wieder heimkommst. Der letzte Zug hat schon manche schöne Nacht abrupt beendet, und die Nachtbusse fahren nicht jeden Abend.
Ich freue mich, wenn dir das hier hilft. Und wenn wir uns irgendwann an einem Stand anstehen und du mich erkennst: Ich bin die mit der zu grossen Tasche voller Bücher.
www.stadtfest-baden.ch · private Notizen von Corinne Stäubli, Region Baden